“Meine Kunst setzt dort an, wo innere Ausrichtung unter äußeren Anforderungen unsichtbar zu werden droht. In einer beschleunigten, reizüberfluteten Gegenwart reagieren wir oft, bevor wir wahrnehmen – und urteilen, bevor wir fühlen. Wir passen uns an, halten durch, optimieren, bis wir nicht mehr spüren, was für uns richtig ist. Ich arbeite an dem Moment, in dem sich dieses Muster unterbrechen lässt - bevor wir uns verschließen, bevor wir uns selbst verfehlen.
Meine Arbeiten sind Einladungen, keine Anweisungen. Sie eröffnen einen Erfahrungsraum, in dem die eigene Wahrnehmung wieder Bedeutung bekommt. Haltung verstehe ich dabei nicht als Pose, sondern als etwas, das aus Selbstbetimmtheit heraus entsteht – als dynamische Balance zwischen innerem Standpunkt, Körpergefühl und Resonanz. Ausgangspunkt ist häufig ein Impuls: eine Geste, eine Spannung, ein Strich, eine Struktur. Daraus entstehen Schichtungen, die sich überlagern, aneinanderstoßen, verschmelzen oder nebeneinander verweilen wie Wellen. Wie im Leben hallt Vergangenes nach, Neues erhebt sich, und dazwischen breiten sich Wirkungen aus.
Ich verhandle Spannungen, die uns täglich formen: Anpassung und Eigenständigkeit, Verletzlichkeit und innere Erhabenheit, Nähe und Abgrenzung. Die Bilder stellen nicht dar, sie stellen Fragen – körperlich erfahrbar: Wo stehe ich? Wie stehe ich? Und was geschieht, wenn mein Standpunkt nicht aus Härte, sondern aus Wahrnehmung entsteht?
Oft werde ich gefragt, ob es in meiner Arbeit um Körper, Psyche oder Gesellschaft geht. Für mich sind diese Bereiche untrennbar. Haltung entsteht im Wechselspiel von Innen und Außen: Sie prägt, wie wir uns selbst erleben, und beeinflusst, wie wir anderen begegnen. Selbstbestimmtheit beginnt für mich dort, wo wir wahrnehmen, was in uns geschieht, bevor wir uns von äußeren Erwartungen betimmen lassen.”